Konservative Evolution

Es ging hektisch zu in der Wohnung. „Ich habe sie nicht geschlagen!“, rief der Zwanzigjährige in die Richtung der beiden Streifenbeamten. „Natürlich hast du das!“, meldete sich der Vater energisch zu Wort. Die Mutter weinte. „Wir haben uns gestritten! Das ist wahr. Verstehen Sie? W-a-h-a-r! Aber nicht geschlagen! Versehen Sie das, passt das in Ihren Kopf rein?“, fragte er die Polizisten. Einer der beiden fand den Auftritt etwas arrogant.

„Also…“, versuchte einer der Beamten die Situation zu beruhigen. „Fassen wir noch einmal zu…“ Der Sohn unterbrach ihn barsch. „Was gibt es denn da noch zusammen zu fassen! Wir haben uns gestritten. Sind Sie taub oder…?“ Er bremste sich, die Situation musste nicht noch weiter eskalieren. Seine Augen funkelten wild, er atmete deutlich sichtbar tief ein und aus und bemerkte, wie sein Puls wieder ruhiger wurde.

Vater schlug mit der flachen Hand auf den Tapeziertisch. Dieser brach krachend zusammen, der Kleister aus dem Eimer spritze durch die Gegend, der Quast klatschte vor dem Elektroherd der Einbauküche auf den Fußboden. „Hast geschlagen! Mit der Tapetenrolle! Woher sonst soll sie denn ihr blau werdendes Auge haben? Nur Asoziale schlagen die eigene Mutter!“

Einen Moment lang trat Stille ein, dann giftete der Zwanzigjährige seinen Vater an. „Ach, Herr Gutmensch nimmt Nazisprech in seinen feinen Mund. Du Vaterlandsverräter!“ Einer der Polizisten schüttelte den Kopf und klappte sein Notizbuch zusammen. „Sie studieren Jura?“, fragte er den Heranwachsenden. Dieser nickte stumm.

„Sie wissen also, was ein Rückkehrverbot ist?“ Wieder nickte der Sohn. „Wegen häuslicher Gewalt sprechen wir Ihnen gegenüber ein zehntägiges Rückkehrverbot aus. Comprende?“ Der Zwanzigjährige schnaubte verächtlich und verließ die Küche, in der seine Eltern bis vor einer Stunde noch seelenruhig tapeziert hatten. Er packte einige Sachen zusammen und drückte einem der Beamten im Flur beim Verlassen des elterlichen Wohnhauses wortlos seine Schlüssel in die Hand.

***

Tagebucheintrag: Der Streit drehte sich um die Ausländerthematik und darum, wie man Kinder zu erziehen hat. Vater und Mutter tragen mit Schuld daran, dass so viele Ausländer hier leben. Sie sind Multikultifetischisten, tun mehr für die Zuwanderer, als für das eigene Volk. Ich habe ihnen gesagt, dass dereinst auch sie und die ganzen Neo-68er zur Verantwortung gezogen werden, wenn sich die politischen Mehrheitsverhältnisse gewendet haben.

Ende vergangenen Jahres meldeten die Medien, dass unter Jura-Studenten rund ein Drittel für die Wiedereinführung der Todesstrafe bei schweren Straftaten votierten. Fast gleich viele fanden laut der Studie logischerweise, dass eine lebenslange Haft bei manchen Straftaten zu milde sei. Die Hälfte der befragten Jura-Studenten zeigte sich zudem offen dafür, einen Verdächtigen zu foltern, wenn damit ein Menschenleben gerettet oder die Allgemeinheit – z.B. vor einem Terroranschlag –beschützt werden könnte.

Wir müssen und werden diesem Land seine Würde zurück geben. Das deutsche Volk war von jeher ein fleißiges Volk. Wir hatten keine Gastarbeiter nötig. Die Trümmerfrauen bereiteten alles vor, und als die Männer heimkehrten aus der Gefangenschaft, packten sie wieder richtig an und bauten auf. Die Gastarbeiter ließen die Politiker nur in unser Land, weil sie dazu gezwungen worden waren. In den 1990er Jahren folgte dann die Asylantenschwemme, heute überfremdet uns der Flüchtlingsbestand bis zur totalen Unreinheit.

Ich fragte Vater und Mutter immer wieder an diesem Abend, was sie dagegen getan hätten, als das Land erstmals durch Asylschmarotzer überflutet wurde mit fremden Blut und noch fremderen Bräuchen und Kulturen. Sie erdreisteten sich und gaben zu, dass sie sich ehrenamtlich in der Asyllobby verdingt hatten. Sie tragen also Mitschuld daran, dass heute unser Blut nicht mehr rein ist. In den 1930er Jahren wäre sie Mitläufer gewesen und hätten der SA zugejubelt, als sie die Juden holten. Pfui!

Ich habe Mutter auch erklärt, dass ihre genderwahnsinnigen Vorstellungen von Kindererziehung pure Idiotie sind. Schwester (Gabi) geriet an die falschen Freunde, hört nun Negermusik, hängt mit diesem Viehzeug herum und kifft. Nur mir gelang es, wieder auf die wahre Linie zu finden. Ich sagte Mutter, dass Kindererziehung nicht in Horte delegiert werden kann. Die Zukunft unseres Volkes und die Kindererziehung findet im Schoße des Weibes statt, wies ich sie zurecht.

Sie hat mir diese Geborgenheit verweigert, indem sie mich in eine Kita abgeschoben hat und mir mütterliche Wärme vorbehielt, derweil sie sich selbst in ihrer Arbeit als Sozialarbeiterin beim Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen „verwirklichte“. Ein Volk, egal ob das unsrige oder ein anderes, stirbt aber aus, wenn die Frau dem Volke die Fruchtbarkeit des Schoßes verweigert.

Gabi, sagte ich Mutter, sei eine solche Verweigerung. Sie verweigere sich doppelt und dreifach, z.B. den Einheimischen, deswegen sei es auch sehr gut, dass sie verhüte. Jedoch lägen die völkisch wertvollen Kräfte im Schoße und Herzen der deutschen und europäischen Frau, die unter ihresgleichen sucht, findet und schöpft.

Mutter lachte mich aus. Sie nannte mich einen zwanzigjährigen Schnösel, der zu verklemmt wäre, um etwas mit Mädchen anzustellen und deswegen heimlich onanieren würde. Sie wendete mir den Rücken zu und stieg gerade auf die Leiter, um eine weitere Bahn Tapete aufzuhängen, dann passierte es. Erst auf den Hinterkopf – und als sie sich erschrocken umdrehte, eins in ihre weibisch-freche Schnauze. Abstreiten werde ich es trotzdem immer, dass Recht steht mir als Mann auch zu!

***

Markus las ihm aus einem schmalen Bändchen vor: „Es ist schon ungemein wichtig, den Bedrohten an den Gedanken zu gewöhnen, dass Widerstand überhaupt möglich ist.“ Sein Gegenüber legte eine Pause ein und sah ihn an. Dann senkte sich sein Blick wieder in das Büchlein und er las weiter vor: „Ist das begriffen, dann wird mit einer winzigen Minderheit die Erlegung des gewaltigen, doch plumpen Kolosses möglich sein.“ Markus sah wieder auf. „Wie findest du es?“

„Sehr aktuell“, antwortete der Zwanzigjährige. Der andere hob das Buch an und nun konnte er auch den Namen des Autors und den Titel seines Werkes lesen. Ernst Jünger. Der Waldgang. 1951. „Es ist zeitlos“, sagte Markus und lächelte. Sie saßen gemeinsam in der Studentenbude des ein Jahr jüngeren Kommilitonen. Beide studierten Jura, beide im selben Semester.

Markus lebte auf dem Haus einer Burschenschaft, die offen zu ihren traditionellen und konservativen Werten stand, aber sich konsequent von Neonazis und anderen Verfassungsfeinden distanzierte. Mit solchen, hieß es immer, habe man nichts zu tun. Der Zwanzigjährige war hier sporadisch zu Gast, nahm an politischen Diskussionen teil. Nachdem er bei seinen Eltern ausgezogen war, war er bei einem Freund untergekommen. Der Enge jener Wohnung und dessen oft laut abgespielter Musik versuchte er zu entfliehen, indem er Markus und das Haus noch mehr als zuvor schon besuchte.

„Die Umerziehung nach dem Hitler-Wahnsinn, die Besatzung, die ersten Einwanderer und Gastarbeiter, der Multikultiwahn und Linksruck der 68er, Ausländerkriminalität, die Asylantenflut und nun die Islamisierung. Spricht man es offen aus, schlagen die Etablierten mit der Nazikeule zu. Bääm, bist du mundtot! Wer will schon ein Nazi sein…“, erklärte Markus ihm. Und ergänzte: „Übrigens ist Jünger vom Grundgesetz nicht weit entfernt.“

Der Zwanzigjährige sah ihn erstaunt an und zuckte mit den Achseln. „Wie?“, fragte er den Neunzehnjährigen. „Komm schon, Altermann, wir studieren Jura. Denk mal nach!“ Er geriet ins Grübeln, kam aber nicht drauf. Im Grundgesetz gab es den Verteidigungsfall, falls man Deutschland militärisch angreifen würde. Aber Widerstand vom Volk gegen die Obrigkeit? Er verzog wieder das Gesicht und bedeutete Markus so, dass er nicht erkennen konnte, worauf dieser anspielte.

„Na, Grundgesetz, Artikel 20, Absatz 4!“, rief dieser begeistert aus. „All das, was ich gerade aufgezählt habe, bedroht unsere Heimat, unsere Freiheit, will unsere preußischen Tugenden vernichten, unsere Souveränität zerstören, unsere freiheitlich-demokratischen Grundrechte beschneiden – und das ausgerechnet im Lande der Dichter und Denker.“

Der Zwanzigjährige sah ihn immer noch fragend an. „Im Grundgesetz steht unter dem Artikel, ich zitiere aus meiner Erinnerung: Gegen jeden, der etwas unternimmt, diese Ordnung – also das Grundgesetz – zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist! Das ist Jünger! Dieser undemokratische Staatskoloss kann bezwungen werden! Dazu haben wir nicht nur das Recht auf unserer Seite, sondern auch die gottverdammte Pflicht!“

***

Tagebucheintrag: Die Nazis waren Sozialisten! Die wahren Nazis heute sind die Linksfaschisten! Meine Eltern sind linksrotgrün versiffte Geisteskranke! Niemand kann sich seine Erzeuger aussuchen! Ich muss nachdenken und mich weiter besinnen, muss verhindern, dass ich so werde wie sie! Der Kampf um ein aufrechtes, fleißiges, anständiges Deutschland muss geführt werden!

Gegen Rechtsextremisten (Stiefelnazis), gegen Linksextremisten (CDUSPDFDPGrüneLinkePiratenAntifa), gegen den Islam (Muslime) und Ausländer (Kriminelle, Asylschmarotzer)! Alles dasselbe Pack, derselbe Pöbel! Dieselbe Diktatur der Dummen, die Deutschland schon zweimal in das Unglück führte! Auch die Lügenpresse ist unser Unglück! Der Westen ist verloren, ein Hort der Immoralität, der Dekadenz, des Liberalismus und des Volkstodes! Der Osten ist trotz seiner politisch linkssozialistischen Prägung unsere einzige Hoffnung!

Der Kampf gegen Zuwanderung, Asylschwemme, die etablierte Politik und Medienkartelle ist im Osten noch nicht verloren! Der Westen ist zu einem sozialistischem Vollversorgungsparadies unter der Fuchtel der CDU entartet, im Osten existieren verwurzelte Werte, die es zu bewahren und verteidigen gilt, um das noch halbwegs bestehende Freiheitsparadies zu hüten und zu weitern! Der Westen ist verlottert, die Menschen im Osten setzten noch auf Ordnung, auf Pünktlichkeit und Anständigkeit!

Der Osten muss als reines Abendland preußischer Prägung gesichert werden, wie einst die Kreuzritter muss man zur Abwehr, zur Verteidigung, zum Angriff schreiten! Frauen sind im Osten noch Frauen und Männer sind Männer! Und Ausländer sind Fremdkörper, die (noch!) nur eine minimale Minderheit darstellt! Entweder hat sich diese zu fügen, oder man kann sie leichter ausschaffen, als es im multikriminell verseuchten Westen möglich ist!

Meinetwegen schaffen wir sie auch in diesen Westen aus, am besten aber dorthin, woher sie einst kamen! Egal, in wievielter Generation sie hier oder im Osten leben!! Wurzeln schlagen sollen sie nicht mehr weiter! Stiefelnazis sind ins Arbeitslager zu internieren und umzuerziehen! Die Berlin-Frage wäre noch zu klären! Das Volk muss wach gerüttelt werden und erwachen!!!

Es ist empörend, dass erst vor wenigen Wochen in Norddeutschland schwer bewaffnete Polizisten ein Rathaus vor islamistischen Anschlägen schützten! Es ist in höchstem Maße unanständig, dass bewaffnetes Wachpersonal zum Schutz der Politiker und der Beamten missbraucht wird!! Das Gelumpe hat kein moralisches Recht vor diesem Terror geschützt zu werden, in den sie das ganze Volk durch die Zuwanderung und Islamisierung mit voller Absicht selbst gestürzt haben!!!

***

Mutter rief an. Sein Smartphone zeigte im Display nicht ihre Rufnummer an, sondern nur ein Wort: Femanze. Unter diesen Begriff hatte er die Nummer ihres Mobiltelefons abgespeichert. Er tippte mit dem Zeigefinger auf das Display und nahm das Gespräch an. Grußlos fragte er: „Was willst du?“ Er hörte sofort an ihrer Stimme, dass sie geweint hatte oder immer noch weinte. „Ich muss zur Polizei, eine Aussage machen. Ich habe heute die Vorladung erhalten.“

„Und wie soll ich dir helfen?“, fragte er so angriffslustig wie es eben möglich war. „Ich weiß nicht, was ich da sagen soll.“ Er schnaufte überheblich, so dass sie es hören musste. „Wenn du dein eigen Fleisch und Blut weiter in den Dreck treten willst, dann sag eben, dass ich dich geschlagen hab. Ansonsten sag was anderes!“ Er hörte, wie sie wieder anfing zu weinen. Typischer Emanzenscheiß, hysterisch noch dazu, dachte der Zwanzigjährige angewidert.

„Warum hast du denn nicht aufgehört, uns zu provozieren?“, fragte Mutter. Weil ihr ein Scheißdreck seid, dachte er, antwortete aber: „Es hat sich eben so zugespitzt. Warum hast du mich denn in die Kita gegeben?“ Sie schluchzte. „Ich musste Geld verdienen, wir wollten nur dein Bestes.“ Er schüttelte den Kopf. Gutmenschliches Gelaber, dachte er. „Ich finde, dass habt ihr dann ja sehr gut hinbekommen!“

„Du bist nicht mehr mein Junge. Ich erkenne dich kaum wieder“, jammerte sie wie ein Waschweib. „Du hast dich so verändert. Wenn man dich reden hört, dann klingst du mit deiner Verachtung für alles und jeden wie ein Salafist, nur ohne Islam, aber mit viel Rechtsdrall.“ Er schnaufte erneut, doch nun war es nicht gespielt, um Mutter zu verunsichern.

Diesmal war es die reine und wahre Empörung über ihr dummes Emanzengequatsche. „Ich bin aber kein Kopfabschneider!“, schrie er sie über die Verbindung hinweg an. Im Bus schauten ihn einige der anderen Fahrgäste entsetzt an. Dann legte er auf und starrte einige Minuten lang stumm aus dem Fenster, ohne wirklich wahrzunehmen, was da draußen passierte.

(C) Michael Klarmann, März 2015 (Inspiration)

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